Risiken und Nebenwirkungen von Diagnosen.

Die Vorteile eines personenzentrierten Vorgehens

psychologische Diagnosen

Hinter menschlichen Fassaden steckt unendlich viel Geschichte.

Psychisches Leid ist ein außerordentlich komplexes Thema, das wir uns mithilfe der psychatrischen Diagnostik zu erschließen versuchen.

Mithilfe von Diagnosen können Menschen ihre Symptome besser einsortieren und Diagnosen unterstützen die Auswahl angemessener Behandlungsansätze. Insofern haben Diagnosen psychischer Erkrankungen zweifellos ihren Platz in der klinischen Praxis, da sie uns wichtige Informationen liefern. Dennoch halte ich es für ebenso wichtig, kritisch über den Nutzen von Diagnosen psychischer Erkrankungen nachzudenken.

In diesem Blogartikel werfe ich einen Blick auf die Vor- und Nachteile von Diagnosen, diskutiere die Grenzen der psychiatrischen Diagnostik und beleuchte den individuellen Leidensdruck von Betroffenen als alternative Informationsquelle für die Auswahl geeigneter und hilfreicher Interventionen.

Vorteile von Diagnosen psychischer Erkrankungen

Diagnosen können eine wichtige Rolle bei der Identifizierung und Behandlung psychischer Erkrankungen spielen. Sie ermöglichen es Fachleuten, eine gemeinsame Sprache zu verwenden und Symptome zu klassifizieren. Dies erleichtert die Kommunikation zwischen Ärzten, Therapeuten und Forschern. Darüber hinaus können Diagnosen den Betroffenen helfen, ihr Leiden zu verstehen und sich weniger allein zu fühlen. Sie können eine Grundlage für den Zugang zu medizinischer Versorgung und Therapie bieten und spielen eine wichtige Rolle in der Forschung und bei der Zuweisung von Ressourcen im Gesundheitssystem.

Nachteile von Diagnosen psychischer Erkrankungen

Trotz ihrer Vorteile haben Diagnosen psychischer Erkrankungen auch ihre Schattenseiten:

  • Sie können zu Stigmatisierung, Pathologisierung und wenig hilfreichen Vereinfachung der Komplexität der menschlichen Psyche führen.
  • Personen werden möglicherweise voreilig in Schubladen gesteckt, aus denen sie nur schwer wieder heraus kommen.
  • Individuellen Erfahrungen und Bedürfnisse werden im Zuge der Diagnose mitunter nicht mehr angemessen berücksichtigt, es findet eine ungünstige Rekuktion von Komplexität statt, wodurch hilfreiche Lösungswege nicht (mehr) gesehen werden.
  • Die Symptome einer psychischen Erkrankung können von Person zu Person stark variieren, und eine Diagnose allein kann nicht die gesamte Bandbreite menschlicher Erfahrungen erfassen.
  • Darüber hinaus können Diagnosen dazu führen, dass Menschen sich mit ihrer Diagnose identifizieren und dadurch in eine Art Resignation verfallen, die den notwendigen inneren Veränderungsimpulsen mit einer „ich habe das und das also kann ich ja gar nicht anders als…“-Mentalität ungünstig entgegenwirkt.
  • Last but not least führen Diagnosen mitunter zur Pathologisierung also, zu einer „…Deutung von Verhaltensweisen, Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedanken, sozialen Verhältnissen oder zwischenmenschlichen Beziehungen als krankhaft“ (vgl. Wikipedia), die wiederum häufig mit Selbst- oder Fremdabwertung einhergeht und den Leidensdruck betroffener Personen erhöht.

Die Grenzen der psychiatrischen Diagnostik

Entsprechend finde ich es sehr wichtig anzuerkennen, dass psychiatrische Diagnosen ihre Grenzen haben. Psychische Erkrankungen sind komplex und multifaktoriell. Sie können durch eine Vielzahl von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren verursacht werden. Diagnosen basieren oft auf Symptomen, die nicht immer eindeutig sind und unterschiedlich interpretiert werden können. Darüber hinaus können psychiatrische Diagnosen von kulturellen und gesellschaftlichen Normen beeinflusst werden, was zu einer Über- oder Unterdiagnostizierung bestimmter Erkrankungen führen kann.

Dies lässt sich anhand des folgenden Beispiels gut erläutern: In unserer Gesellschaft wird eine Menge Alkohol getrunken und der eine oder die andere bekäme aller Wahrscheinlichkeit nach anhand der Kriterien für das Abhängigkeitssyndrom eine entsprechende Diagnose gestellt. Da Alkohol trinken a) gesellschaftlich aber sehr weit verbreitet ist und b) insbesondere die sog. high-functioning alcoholics (also „Funktionierende Alkoholiker“) ihr Leben scheinbar gut im Griff haben, wird von den betroffenen Personen kein Leidensdruck wahrgenommen bzw. erfolgreich verdrängt. Hier hätten wir also eine Diagnose ohne, dass bewusst Leidensdruck erlebt wird. Auf der anderen Seite leiden Menschen teils massiv unter Beziehungsproblemen, Trennungen oder Liebeskummer mit Symptomen, die denen einer Depression oder depressiven Verstimmung sehr ähnlich sein können (vgl. hierzu auch meinen vorherigen Blogpost zum Thema Liebeskummer und Depressionen), bekommen aber keine Diagnose gemäß ICD

Und schließlich besteht auch die Gefahr der Übermedikalisierung, bei der Medikamente als erste Behandlungsoption verschrieben werden, anstatt alternative Ansätze ausreichend zu berücksichtigen.

Mein Credo lautet darum...

Eine Diagnose ist immer nur dann eine gute Diagnose, wenn sie hilfreich ist. Was hilfreich ist entscheidet der oder die Klient:in.

Anstatt mich ausschließlich auf Diagnosen zu verlassen, verfolge ich den Grundsatz der Neutralität, bleibe unabhängig von einer im Raum stehenden Diagnose offen und neugierig und konzentriere mich auf den individuellen Leidensdruck meiner Klient:innen. Dieser Ansatz ist stark von der personenzentrierten Therapie von Carl Rogers beeinflusst. Rogers argumentierte, dass die Therapeut:in in erster Linie aufmerksam und einfühlsam sein sollte, um die einzigartigen Bedürfnisse und Erfahrungen der Klient:innen zu verstehen.

Wenn Sie die Vorgehensweise anspricht und Sie mit mir arbeiten möchten, können Sie über nachfolgenden Link ganz bequem einen Termin bei mir buchen:

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Die Vorteile eines personenzentrierten Vorgehens

Ich habe mich also aufgrund meiner systemisch-humanistischen Haltung und auf Basis meiner Erfahrungen in unterschiedlichen Beratungssettings bewusst dazu entschieden, den Fokus auf den:die Klient:in und seinen:ihren individuellen Leidensdruck zu legen, anstatt mich ausschließlich auf Diagnosen zu konzentrieren. Ein personenzentriertes Vorgehen ermöglicht es mir, eine umfassende und ganzheitliche Sicht auf die Menschen zu haben, die zu mir in die Beratung kommen. Ich arbeite eng mit dem:der Klient:in zusammen, um ihre individuellen Bedürfnisse, Ziele und Ressourcen zu verstehen. Dabei berücksichtige ich ihre Lebensumstände, ihre sozialen Beziehungen und ihre persönlichen Erfahrungen.

Indem ich den Fokus auf den:die Klient:in lege, kann ich eine individuell angepasste Unterstützung bieten, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt ist. Dies ermöglicht eine größere Flexibilität und Berücksichtigung der Einzigartigkeit jedes Menschen. Durch die Stärkung ihrer Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit können Klient:innen befähigt werden, aktiv an ihrem Wohlbefinden und der Verbesserung ihrer Lebensqualität mitzuwirken.

Auch hier möchte ich anhand eines Beispiels, die Vor- und Nachteile von Diagnosen verdeutlichen. Nehmen wir an, eine Person sucht Hilfe aufgrund von wiederkehrenden Ängsten und Panikattacken. Eine Diagnose könnte in diesem Fall lauten: „Generalisierte Angststörung mit Panikattacken“. Die Diagnose kann der Person zunächst eine Erklärung für ihre Symptome bieten und ihr das Gefühl geben, dass ihre Erfahrungen ernst genommen werden. Sie kann auch den Zugang zu spezifischen Behandlungsansätzen wie kognitiver Verhaltenstherapie oder medikamentöser Unterstützung erleichtern.

Auf der anderen Seite besteht jedoch die Gefahr, dass die Diagnose zu einer Selbstidentifikation als „Angstgestörter“ führt und die Person sich in einer Rolle gefangen fühlt. Dies kann zu einer Verstärkung des Leidensdrucks führen und die Entwicklung eines positiven Selbstbildes behindern. Darüber hinaus kann die Diagnose einer Angststörung die Vielfalt und Komplexität der individuellen Erfahrungen der Person übersehen. Es können andere Faktoren wie traumatische Erlebnisse, soziale Isolation oder Stressoren am Arbeitsplatz eine Rolle bei der Entstehung der Ängste spielen, die in der Diagnose möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Meine Unterstützung für Sie braucht keine Diagnose

Eine personenzentrierte Herangehensweise, legt den Fokus auf Ihre individuellen Erfahrungen und Bedürfnisse, anstatt sich auf die Diagnose zu konzentrieren. Indem ich Sie und ihren individuellen Leidensdruck in den Mittelpunkt stelle und gemeinsam mit Ihnen „die Geschichte dahinter“ erforsche, bietet mir das eine umfassendere und flexiblere Möglichkeit, Unterstützung anzubieten. Indem Sie aktiv in den Therapieprozess einbezogen werden und selbstbestimmt Entscheidungen treffen, können Sie Ihre Ressourcen entdecken und Lösungswege entwickeln, die zu Ihrem individuellen Wohlbefinden beitragen.

Herzliche Grüße Ihre

Lilly Maus 

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